 | - Buch von Michael Kiske, in dem er schonungslos die Mißstände der heutigen Musiklandschaft offenlegt. Zudem geht es um die Rolle des Materialismus im Zusammenhang mit dem Verfall der Kunst bzw. dem heutigen Verständnis von Kunst. Angereichert wird das Buch durch Zitate und Gedichte alter Meister wie Wagner, Fichte, Steiner, Schiller und Goethe, die Kiske als Begründung und Fundierung seiner Thesen immer wieder gerne in Erinnerung ruft.
- 120 Seiten
- erschienen im Michael Kiske Selbstverlag
- zu bestellen für 6€ plus Versandkosten bei:
Sebastian Vollmer, Burgstr. 112, 72764 Reutlingen
- für weitere Infos bitte Email an
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Vorwort Ich hätte diese Schrift auch nennen können: Liebeserklärung an eine freie Kunst, oder so ähnlich, denn das ist sie ganz bestimmt geworden. Bekanntlich verteidigt man das, was man liebt, mit aller Kraft und oft sogar Verbissenheit oder Verzweiflung, wenn man es in Gefahr meint, weshalb der Ton und die Eindringlichkeit in dieser Schrift dem einen oder anderen möglicherweise etwas extrem erscheinen mag. Ob man allerdings etwas als übertrieben intensiv formuliert oder interpretiert empfindet oder nicht, hängt ganz bestimmt von dem Grad der Stärke ab, mit der der Jeweilige imstande ist, das Betreffende wahrzunehmen und zu erleben, und ich mache kein Geheimnis daraus, daß ich alles in dieser Schrift Vorgebrachte mit eben derselben Intensität und Stärke erlebe, wie es hier halt rüberkommt, und ich sehe es geradezu als eine Pflicht gegen mich selber an, meinem Herzen laut Luft zu machen und alles ehrlich und direkt so auszusprechen, wie es sich mir ergeben hat. Auch weil ich immer noch hoffe, daß es nicht nur mir allein so gehen kann, ist Klartext das einzig Richtige und Angebrachte, um wirlich verstanden zu werden. Und genau darum geht es mir. Einerseits möchte ich die, die ein liebendes Herz mit Kunst verbindet, mit dieser Schrift erreichen, und auf der anderen Seite - für die, die es interessiert - m e i n e Auffassung von Kunst offen darlegen, um in Zukunft mit allem, was ich vielleicht noch künstlerisch verzapfen werde, richtiger verstanden zu werden. Denn so klar scheinen gewisse Grundbedingungen der Kunst heute wirklich nicht mehr jedem zu sein, wie so mancher vielleicht wähnt. Grundbedingungen, die, wenn sie nicht gegeben sind, in Wahrheit Kunst unmöglich machen. Ich schreibe hier meine Eindrücke und Erfahrungen im Musikgeschäft der letzten zehn Jahre nieder so, wie ich selbst es erlebt habe, und stelle jedem selbstverständlich völlig frei, es aufzufassen, wie es ihm beliebt; mich für einen rettungslosen Träumer oder Fanatiker und dergleichen zu halten, oder mir zuzustimmen und möglicherweise etwas daraus zu lernen. Alles in dieser Schrift Ausgesprochene ist durchaus durchweg p o s i t i v gemeint, auch wenn ich ab und an hier und da etwas motze. Wer hat denn auch gesagt, daß alles Reden von Idealen nur gesäuselt werden oder nach Süßholzraspeln klingen darf? Ich möchte im Großen und Ganzen niemanden persönlich mit diesen Ausführungen angreifen oder verurteilen, sondern ganz objektiv und im Allgemeinen so deutlich wie es geht beweisen, daß trotz der Notwendigkeit, ja Unentbehrlichkeit dessen, was Busineß und Kommerz heute sind, eine absolute und kompromißlose Trennung von Geschäft und Kreativität vorhanden sein muß, und der echte Künstler zu dieser Trennung verpflichtet ist, wenn er nicht musikalisch impotent werden und die Verlogenheit züchten will. Ich möchte hiermit vor allem direkt Künstler ansprechen und solche, die sich ein Urteil über Kunst erlauben möchten; aber vielleicht auch die große Welt der Geschäftsmänner (soweit dies überhaupt möglich ist!) darauf aufmerksam machen, daß, wer nicht die Grenze zwischen Kunst und Geschäft deutlich erkennt und einhält, die Kunst tötet, und auf lange Sicht das Pferd, auf dem er selber reitet, stranguliert. Auch schien es mir wichtig, so deutlich wie nur irgend möglich auf die zentrale Bedeutung der freien, bildenden Kunst als Kulturfaktor und wichtigstem Element zur höheren geistig-moralischen Entwicklung und Erziehung des Menschen hinzuweisen, mit dessen Leben oder Sterben unser aller Leben und Glück engstens zusammen hängt. Ich möchte die Leute vor allem darauf aufmerksam machen, daß die Versumpfung der Kunst durch den Materialismus eine alle Ehrlichkeit ausrottende Pest ist und daß es weiß Gott nicht egal ist, ob der Künstier sich billig verkauft, oder ob er genug Mensch ist, sich auf ein Besseres zu besinnen. Es ist mir dabei selbstverständlich völlig klar, daß mich nur wache Herzen verstehen werden und die Stumpfheit nichts verstehen kann. Aber ich werfe meine Schrift auch gerade deshalb unter die Leute, weil ich eben nicht meine, wie so viele arrogante Intellektuelle von heute, daß das gesamte Metal-, Hardrock-, Rock- und Poppublikum n u r aus Vollidioten und unkultivierten Primitivlingen besteht. Gerade weil ich genau aus diesem Gebiet der Musik komme, in dem ich - neben zu vielem Mist - auch so manchen echten Revolutionssinn und ehrlichen ldealismus gefunden habe und dort mein Herz für Musik zu schlagen begann, soll auch an diese Adresse gehen, was ich zu sagen habe. Ich bin mir durchaus bewußt, daß ich dem Leser sehr viel abverlange dadurch, daß ich gezielt sehr weit gehe, aber ich denke doch, daß es in Sachen Kunst nicht anders sein darf, als daß man gründlich vom Ideal spricht und dadurch dazu verurteilt ist, von nur wenigen verstanden zu werden. Dies nehme ich gerne in Kauf. Die wenigen Wachen sind mir immer lieber als die vielen Schlafmützen. Ich hatte auch immer schon eine gewisse Abneigung dagegen, mich auf das Unedle, Schlechtere und Dümmere einzustellen mit dem was ich tue, selbst wenn es anders finanziell vielleicht geschickter gewesen wäre. Ich will den Leuten lieber zuviel zumuten, als dem Gemeinen zu gefallen. Dies gibt dem Leben die entscheidende Würze und ist dem Wesen der besten Kunst am würdigsten. Hamburg, Herbst 1996, Michael Kiske |