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Michael Kiske
Laut oder nicht laut ? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Vinnie Pereira   
01.04.2007

Wann hast Du angefangen zu singen?

  • Als ich 12 war. Elvis brachte mich auf die Idee.

Wer hat Dich als Sänger beeinflusst?

  • Hauptsächlich Elvis Presley, aber auch Bono, John Farnham, etc.. Die unvergleichlichen Metal- und Rocksänger wie Bruce Dickinson, Geoff Tate, Robert Halford, Ronnie Dio. Aus den ganzen Einflüssen entwickelt man nach einer Weile sein eigenes Ding. Je älter man wird, desto mehr bekommt man seinen eigenen Stil.

 Hast Du jemals Gesangsstunden genommen?

  •  Nein

 Hat sich Deine Stimmlage im Laufe der Jahre verändert?

  •  Nicht wirklich, aber jetzt klinge ich in tieferen und mittleren Lagen viel besser. Ich mag es nicht mehr so besonders, wenn es zu hoch hinauf geht. Dieses sehr hohe Singen wird leicht eher zum "Sport" als zur Kunst.

 Wie ist das mit den hohen Noten? Änderst Du Deine Technik, wenn Du in Deiner oberen Stimmlage singst?

  •  Die Stimme ändert sich natürlich, wenn man älter wird, deshalb ändert sich auch die Technik ein wenig. Ich denke, ich habe jetzt wesentlich mehr Substanz in meiner Stimme, während ich auf den älteren Aufnahmen im Alter von 18/19 dünner geklungen habe. Und ich bin jetzt auch VIEL lauter.

 Neigst Du dazu laut zu singen, oder in Gesprächs-Lautstärke?

  •  Die Leute sagen immer, daß ich laut bin, aber ich versuche es nicht zu sein. Weil wenn man zu laut ist, macht man leicht etwas falsch. Einmal sang ich vor Adrian Smith (Iron Maiden) in seinem Haus in England etwas höher, um ihm zu demonstrieren, daß ich nicht wirklich so laut singe, aber er sagte: Hört sich für mich ziemlich laut an mein Lieber! Auch der Toningenieur von Iron Maiden, der auch bei einigen Touren von Helloween den Sound mischte, sagte es wäre ein Vergnügen, mich zu mische, weil meine Stimme so klar sei, daß sie zu keiner Zeit untergeht und immer gut zu hören ist. Ich denke nicht, daß ich zu laut singe, aber ich glaube meine Stimme trägt, wenn Du weisst was ich meine? Die Stimme wird von selbst lauter, je mehr man singt, aber man sollte sich nie dazu zwingen laut zu sein.

 Wie wärmst Du Dich vor einer Show auf?

  •  Elvis-Klänge von 1970; perfekt zum aufwärmen.

 Achtest Du in irgend einer Form auf Deine Atem-Unterstützung?

  •  Nicht genug. Ich bin viel zu faul wenn es um das Üben geht; es ist eine Schande! Ich sollte wirklich viel, viel mehr singen, aber manchmal kommt es leicht vor, daß ich ein ganzes Jahr überhaupt nicht singe. In der Vergangenheit sogar zwei Jahre! Wenn ich dann wieder anfange, muss ich erst die ganze Kondition wieder aufbauen ...

 Gibt es persönliche Horrorgeschichten von Dir, wie Du Deiner Stimme geschadet hast?

  •  Nur auf meiner allerersten Tour, da wusste ich nicht, daß ich mich vor einem Auftritt aufwärmen muss. Und als ich die Grippe bekam, entwickelte sich das zu einem Problem und ich konnte sechs Wochen lang nicht einmal reden. Aber danach hatte ich das Problem nur noch bei der allerletzten Tour, die ich gemacht habe; doch das war eher psychologisch.

 Was ist der größte Unterschied zwischen dem Gesang in Kiskes Solo-Karriere und bei einer Heavy Metal Band wie Helloween (in Bezug auf die Gesangstechnik)?

  •  Bei Helloween musste ich auch Material von anderen Songschreibern singen. Und die tendierten dazu, die extremen Höhen zu lieben. Heutzutage schreibe ich nur Songs und denke nicht über solche Dinge nach wie, ob ich hoch oder tief singen muss. Ich schreibe einfach einen Song und bei meinen eigenen Songs neige ich dazu, mehr normale Noten zu singen und die höheren Töne nur als Effekt einzusetzen, während Metal da eher zur Übertreibung neigt.

 Wer ist jetzt Dein Lieblingssänger?

  •  Bono von U2 und Tom Chaplin von Keane.

 Was kannst Du über das neue Album sagen?

  •  Es ist ungezwungen und ziemlich melancholisch. Singer/Songwriter-Zeug und in meinen Augen eine sehr runde Sache. Oder meinst Du das nächste? - Mein nächstes Solo-Album (nach den Akustikaufnahmen meiner alten H-Songs in ent-metallisiert) wird wieder sehr anders. Auf jeden Fall wird ein großer Teil davon ziemlich symphonisch, mystisch und gross ...

 Irgend ein letzter Rat für angehende Sänger?

  • Sei du selbst, arbeite an deiner spirituellen und moralischen Persönlichkeit und der Rest kommt von alleine. Die Seele ist Alles und wesentlich wichtiger als jede Technik oder Show-Zirkus. Eine starke Persönlichkeit macht die besten Sänger aus; spiel und täusch nichts vor, sei einfach. Wenn du weisst, was du willst und was du tust, und wenn du etwas zu sagen hast werden dir die Leute zuhören.

 Nachricht an die brasilianischen Kiske-Fans (glaub mir, mein Land liebt Dich wirklich):

  •  Wie immer: Lasst uns darum kämpfen, die Leidenschaft und ein tieferes Verständnis für freie und ehrlich Musik zurück zu gewinnen; mehr als gegen andere Musikrichtungen zu kämpfen, oder eine spezielle Musik zur einzig richtigen zu erklären.

Michael Kiske

 

 

Letzte Aktualisierung ( 01.04.2007 )
 
Kunst wird die Welt verändern PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Lolo Froiz   
12.09.2006
  • Zuerst ein dickes Dankeschön, daß ich dieses Interview mit Dir machen kann. Zugleich möchte ich Dir sagen "Gückwunsch" zu Deinem neuen Album. Nun möchte ich ein paar Fragen über Deine Solo-Karriere loswerden, für all Deine Fans in Spanien und überall auf der Welt. Zur gleichen Zeit als Du Deine Solo-Karriere gestartet hast, hast Du auch eine Karriere als Autor begonnen (ein Buch und auch viele Aufsätze), herausgegeben nur auf Deutsch. Hast Du schon geschrieben bevor Du Deine Solo-Karriere begonnen hast?

Ja, das habe ich, nur habe ich erst später angefangen, die Sachen den Menschen zugänglich zu machen.

  • Ich muss gestehen, daß ich nicht alles gelesen habe, was Du geschrieben hast, aber ich kenne die Haupt-Themen Deiner Schriften. Das meiste befasst sich mit Philosophie und Religion. Über welches dieser Themen schreibst Du lieber?

Das gehört alles zusammen. Meine Lebensphilosophie wirkt sich darauf aus, wie ich all die Dinge betrachte. Tatsächlich schreibe ich hauptsächlich über Anthroposophie und Kunstphilosophie.

  • Im Laufe der Zeit haben Deine Fans angefangen, Dich mehr als Humanisten denn als Musiker zu sehen. Versteh mich bitte nicht falsch, was ich wirklich meine ist, daß Deine Fans begonnen haben, sich mehr für die anderen Dinge, in die Du involviert bist, zu interessieren. Ich möchte Dich fragen, ob Du die Musik noch genau so empfindest, wie früher. Ich meine, ist sie noch immer das Wichtigste in Deinem Leben?

Ja, das ist sie; tatsächlich ist sie mir wieder viel wichtiger geworden, weil ich in gewisser Weise (wieder) entdeckt habe, daß Musik das perfekte Instrument ist, um die Menschen auf moralischer Ebene zu erreichen. Kunst verändert die Welt moralisch und wird das auch in Zukunft tun, und nicht Politiker. Sogar das Beste der Religiosität ist deren Ausdruck in der Kunst. Uns schliesslich ist die beste Musik die authentischste: Menschen die mich als Humanisten (besser als Christen) verstehen, verstehen auch meine Musik besser. So passt das also wunderbar zusammen.

  • Seit einigen Jahren scheinst Du ein sehr religiöser Mensch zu sein. Meine Frage ist ... warst du schon immer ein sehr religiöser Mensch, oder hast Du eine schlechte persönliche Erfahrung gemacht, die Dich in besonderer Weise zur Religion gebracht hat?

Ich war das immer schon, aber wenn man älter wird und sich verändert, oder unerfreuliche Erfahrungen macht, lernt man dazu. Und ganz besonders seit ich die Anthroposophie gefunden habe, wurde das viel, viel wichtiger für mein Leben. Schliesslich ist Musik nichts Materielles, sie ist spirituell, deshalb können, je spiritueller du selbst wirst, auch Deine Songs immer besser werden. Materialismus ist nur eine andere Bezeichnung für eine schreckliche Oberflächlichkeit der Seele; und je weniger oberflächlich wir sind, desto besser wird unsere Kunst sein.

  • Erzähl uns, welches Buch Du zuletzt gelesen hast? Und die letzten CDs, die Du gekauft hast?

Ich lese niemals nur ein Buch. Normalerweise 5 - 10. Im Moment lese ich:

Wladimir (Sergejewitsch) Solowjew, sein zweites Buch über die UNA SANCTA Bewegung. -

Rudolf Steiner GA 168, Die Verbindung zwischen Lebenden und Toten. -

Herbert Wimbauer: Von der Menschwerdung des Maitreya. -

Eine großartige Friedrich Schiller Biographie von Peter Lahnstein. -

Friedrich Schiller's frühe Schriften. -

Und auch Martin Luther. ...

  • Über Dein neues Album. Ich möchte nach der, im Vergleich zu Deinen anderen Alben, geringen Präsenz  von E-Gitarren fragen. Magst du es nicht, E-Gitarren in Deinen Werken zu hören? Vielleicht bist Du am Ende von E-Gitarren gelangweilt? Und gleichzeitig möchte ich wissen, ob Du noch immer irgendwelche Rock-Bands hörst? Wir haben keine Ahnung von den Verkaufszahlen Deines neuen Albums, aber wäre es möglich, Kiske dieses Jahr auf Tour gehen zu sehen?

Es sind viele E-Gitarren auf dem neuen Album, nur nicht so übermässig verzerrt wie auf Hardrock-Aufnahmen. Mein Verhältnis zu harten Gitarren ist weitaus schlechter, als nur von ihnen gelangweilt zu sein. Ganz sicher bin ich aber von allem gelangweilt, das es nötig hat laut zu sein um zu überzeugen, aber persönlich kann ich jeden wirklich brutalen Gitarren-Sound nicht mehr ertragen. Das verursacht mir Kopfschmerzen und innerlich ein krankes Gefühl. Neben klassischer Musik höre ich ohnehin nicht viel anderes. Die Art von modernen Bands, die ich noch immer mag, sind: U2, Coldplay, Keane, Sheryl Crow, etc.. Die härteste Musik, die ich heutzutage noch höre ist Queen. Die liebe ich noch immer!

  • Viele Deiner spanischen und südamerikanischen Fans könnten sich fragen, was die Themen Deiner Songs auf dem neuen Album sind. Kannst Du uns bitte etwas über die Bedeutung der Texte sagen?

Einfach Emotionen in Worte gefasst. Gezeichnete Zeilen, um einen inneren Zustand auszudrücken. Sie können nicht alle wirklich erklärt werden; und ich denke, das sollten sie auch nicht. Ein Song muss für sich selbst sprechen. Und Texte wie "Fed By Stones" sind sowieso ziemlich eindeutig. Andere sollten für Interpretationen offen bleiben.

  • Entgegen der Meinung einiger Metalheads gehst Du mit Deiner Solo-Karriere einen wirklich aufrichtigen Weg in Bezug auf Deine Gedanken und Gefühle, und wir können das mit jedem Album, das Du aufnimmst, wieder feststellen. Ich erwähne das, weil Du Dich an einigen Metal-Alben (Masterplan, Avantasia, Tribuzy etc. etc.) beteiligt hast, obwohl Du sagtest, Du würdest nie wieder Metal machen. Michi, kannst Du uns bitte ein letztes Mal sagen, warum Du Dich an diesen Alben beteiligt hast, und ob Du es wieder tun würdest, wenn jemand Deiner "Metal-Freunde" Dich darum bitten würde?

Ich habe heutzutage Riesenprobleme mit der Heavy-Metal-Szene, deren satanistischen Ideologien, ihrer unchristlichen und unmenschlichen Einstellung und auch wie dort mit Kunst umgegangen wird. Das bedeutet aber nicht, daß ich alles hasse, was unter der Bezeichnung Metal veröffentlicht wird. Noch vor fünf Jahren war ich wesentlich leichter zu überreden, mich an so etwas zu beteiligen, heute würde ich zu harte Sachen nicht mehr machen, ich täte mir damit keinen Gefallen. Bei jedem Projekt gab es andere Gründe für mich dabei mit zu machen. Manchmal mochte ich den Song einfach. Das nächste Mal wollte ich mit der betreffenden Person zusammenarbeiten. Ein anderes Mal wurde ich einfach dazu überredet. Aber wirkliche Metal-Songs werden von mir nicht mehr gesungen. Erstens weil ich es Leid bin, mir das Genöle von bestimmten Idioten anzuhören. Und zweitens möchte ich nicht mehr die Aufmeksamkeit der falschen Menschen in meine Richtung lenken. Ich muss mir MEIN Publikum schaffen. Ich werde mich nach wie vor an Projekten beteiligen, aber ich werde dabei sehr wählerisch sein. Rock-Songs wie "One Vision" oder " Hammer To Fall" von Queen sind mein absolutes Limit, was Härte angeht. Was härter ist, ist in meinen Augen negativ und schädigt die menschliche Seele.

  • Es gibt da Gerüchte über ein Album, bei dem Du, Kai (Hansen) und Roland (Grapow) zusammenarbeiten würdet. Ist das nur ein Gerücht oder denkst Du darüber nach, mit den beiden in Zukunft ein neues Album aufzunehmen?

Wir haben darüber gesprochen, aber es scheint schwierig zu sein, die Musik zusammen zu bekommen. Es ist völlig aussichtslos, mich überreden zu wollen, etwas Brutales zu machen; und die beiden scheinen (bis jetzt) nicht in der Lage zu sein, sich genauso für Musik, die sich NICHT um irgend eine Szene, einen Markt oder ein Dogma schert, zu begeistern, wie ich das tue. Ich würde wirklich gerne, zumindest mit Kai Hansen, noch ein letztes Ding machen, aber es hängt davon ab, wie weit er aus der Metal-Ecke herauskommen und Freude an etwas weniger Hartem haben kann. Wir werden sehen.

  • Du weisst sehr genau, daß immer wieder Gerüchte auftauchen, deshalb möchte ich Dich danach fragen, wie die Chancen für ein zweites Place Vendome Album stehen?

Es hätte genau jetzt gemacht werden sollen, aber Dennis (Ward) ist mit anderen Produktionen beschäftigt, deshalb kann ich Dir nicht sagen, ob und wann daraus was wird. Sicher nicht mehr in diesem Jahr.

  • Musik ist Kultur und nicht viele Leute haben genug Geld um sich alles zu kaufen, was sie wollen. Nun möchte ich von Dir wissen, was Du von den illegalen Raubkopien, die frei im Internet verteilt werden, hältst. Denkst Du nicht, daß Leute, die ganz normal CDs kaufen, auch weiterhin CDs kaufen werden, obwohl sie die Musik für umsonst aus dem Internet bekommen könnten? Und was ist mit den Einbußen duch das Internet bei den Verkaufszahlen, denkst Du nicht, das ist der gleiche Effekt, den in den 80ern bespielbare Kassetten hatten? Was denkst Du darüber Michi?

Einige der Musikfans unterstützen einen glücklicherweise immer noch, aber die Mehrheit tut das nicht. Und nicht genug Geld zu haben für alles was wir wollen, rechtfertigt nicht, sich die Sachen auf illegale Weise zu besorgen. Bloß weil ich mir einen Ferrari nicht leisten kann, heisst das doch nicht, daß ich das Rech habe, einen zu stehlen! Und nur weil du den Ferrari deines Nachbarn stehlen KANNST, heisst das nicht, daß du ihn steheln MUSST. Das grosse Problem ist das Internet und das digitale Zeitalter. Jetzt ist jeder mit jedem verbunden, deshalb verbreitet es sich in weit grösserem Maße als jemals zuvor. Unglücklicherweise scheint es auch so, daß jungen Leuten nicht mehr viel sozialer Verstand geblieben ist. Die meisten denken nicht weiter, als ihre Nasen lang sind. Wann immer sie also einen Euro sparen können, tun sie es, ganz egal was das für Folgen haben wird. Sogar mehr als 70% der Menschen, die sich heute an meiner Musik erfreuen, klauen sie und unterstützen meine Arbeit dadurch nicht. Die Folge davon ist, daß es immer fraglicher wird, ob es künftig noch Produktionen von mir geben wird. Das Riesen-Label UNIVERSAL stellt sein komplettes Programm zum freien download in's Internet, weil die Leute die CDs sowieso nicht mehr kaufen! Also verteilen sie die Musik kostenlos, zeigen aber während des downloads Werbespots! So versuchen jetzt Geld zu verdienen! Das Resultat ist, daß es den Leuten  eben immer selbstverständlicher vorkommt, kein Geld für Musik-Kunst zu "verschwenden". Das bedeutet für Menschen wie mich (und kleinere Labels), die abhängig sind von jeder verkauften CD, daß noch härtere Zeiten auf uns zu kommen werden. Es ist eine Tatsache: Die Leute denken, Musik sei ihr Geld nicht mehr wert, dadurch verliert auch die Musik an Qualität, und ehrliche und freie Musik verliert sogar die Möglichkeit, überhaupt zu existieren. Mit unserer Musik-Kultur funktioniert das so überhaupt NICHT mehr. Und wenn ich eines Tages aufhören werde Alben zu produzieren, wird das mit 95%iger Wahrscheinlichkeit daran liegen, daß ich es mir einfach nicht mehr leisten kann. Gute Produktionen kosten Geld! Aber seit da nichts mehr reinkommt, müssen sie billiger und billiger, und schneller und schneller gemacht werden. Ich persönlich brauche aber immer viel Zeit um Songs zu schreiben, und ich werde jetzt nicht anfangen billige, schwache Produktionen zu machen. Wenn du als Musiker aber sechs Tage die Woche in einem normalen Job arbeiten musst, um deine Rechnungen und deine Miete bezahlen zu können, bleibt dir nicht die nötige Zeit und Energie, um mit ganzem Herzen Musiker zu sein. Und natürlich wird deine Musik darunter leiden und früher oder später sterben. Es ist eine wirklich ernste Situation und nur ein grundlegender MORALISCHER Wandel kann helfen. -

  • Zum Schluß möchte ich Dir "Danke vielmals" dafür sagen, daß wir dieses Interview machen konnten. Wir schätzen Deine Arbeit sehr und meinen, daß Du eine der großartigsten Stimmen aller Zeiten in der Geschichte des Rock hast, fühl Dich also frei, jedem, der dieses Interview liest, noch einige Worte zu sagen.

Es gibt zwei einfache Punkte als Grundlage dessen, was jede ehrliche Musik-Kultur zum Überleben braucht. Der erste richtet sich an die Industrie, der zweite an den Musik-Fan:

1.)   Die Industrie sollte niemals Musiker oder Musik für Märkte konstruieren. Statt dessen sollten freie Musiker ehrliche Musik machen, für die dann von der Industrie Märkte geschaffen werden. -

2.)   Wenn Du sagst, Du magst eine Band oder einen Musiker und möchtest weiterhin Musik von ihnen bekommen, unterstütze sie durch den Kauf ihrer CDs, oder Du sorgst dafür, daß sie bald verschwinden. -

  • Danke Michi, wir wünschen Dir das Beste. Viele Grüße aus Spanien. Gott segne Dich!!

Dir das Gleiche mein Freund!

Michael Kiske
 
Was neues zu erzählen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Stefano Muscariello   
06.09.2006
  • Hallo Michi! Danke vielmals für dieses Interview! Es ist sehr wichtig, Dich zu unterstützen! Also beantworte die Fragen, die Du möchtest.
    3 Monate sind vergangen, seit Dein Album KISKE veröffentlicht wurde. Wie hat die Presse es aufgenommen?

Ich verfolge das nicht, deshalb weiss ich es nicht. Ich versuche mich nicht darum zu kümmern, aber nach dem, was ich von Zeit zu Zeit höre, läuft es gut. Es ist wichtig, daß es von Leuten gehört wird, die das Herz und das Verständnis dafür haben, dann wird es auch gut aufgenommen.

  • Das neue Album ist reichlich anders als Deine früheren Alben. Du hattest viel Zeit gehabt, es fertig zu stellen. Ich denke, Du hast ein gutes Ergebnis erzielt und ich denke, es ist vielschichtiger, obwohl die Songs überwiegend melodisch und persönlich sind. Es scheint, Du wolltest damit einen Eindruck Deiner Gelassenheit und Sicherheit, was Deine musikalische Richtung angeht, vermitteln. War das Deine Absicht?

Es ist mehr, nicht viele gezielte Absichten zu haben. Ich wollte letzte mentale Mauern und Grenzen einreissen und einfach die Dinge kommen lassen. Und es hat sehr gut funktioniert.

  • KISKE ist der Titel des Albums. Klingt nach Wiedergeburt. Oder täusche ich mich?

Sicher ist es ein neuer Abschnitt in meinem Leben als Musiker. Es klingt immer etwas spassig, wenn das jemand sagt, aber ich denke, ich bin als Mensch gereift, ebenso als Songwriter, und das macht sich bemerkbar. Das ist überhaupt der Grund, eine neue CD zu machen: Man hat künstlerisch etwas Neues zu erzählen.

  • Das Album ist zu 100% mit Freunden von Dir gemacht? Wie wichtig ist es Dir, ein Album in einem freundschaftlichen Umfeld aufzunehmen?

Ich will nie wieder etwas anderes machen. Ich will nie Mitglied einer Band sein, in der die Leute nicht den nötigen Respekt voreinander haben. Die Seele verleiht der Musik die Qualität, deshalb sind Seelen-Verwandte unerlässlich.

  • Welcher ist der repräsentativste Song des Albums für Dich und warum?

Ich habe meine Favoriten, aber es ist das Album als Ganzes, was es ausmacht. Es hat eine gewisse Kraft in einem Bereich, der mir überhaupt der wichtigste ist. Es ist emotional genau auf den Punkt gebracht; wenn man das so sagen möchte. 

  • Warum „the world is sad“?

Weil sie ihre spirituelle Bedeutung verloren hat. So viele sind auf der Jagd nach Geld und Mammon, in dem Glauben das würde sie ausfüllen. Schau Dir Hollywood- oder Musik-Superstars an, wie sehr sie sich bemühen, als glückliche Millionäre rüber zu kommen, doch nächste Woche siehst Du Nachrichten darüber, daß sie schwere Depressionen und Krisen haben, oder Du hörst über Drogenmißbrauch etc..Alles sieht in unserer oberflächlichen Gesellschaft so gut aus, aber das ist nur die Fassade; wenn man genauer hinschaut, sieht man, daß unsere Gesellschaft bis in's Mark moralisch verdorben ist. Es ist eine lange Geschichte, aber schau Dir bloß mal die Jugend an! Da gibt es eine Menge Frustration und Deprimiertheit, die sich zu unterschiedlichen Auswüchsen, wie Wut Drogenkonsum und Satanismus transformieren ... . Die Welt ist wirklich in einem traurigen Zustand, weil sie vergessen hat, warum wir hier sind!

  • In „Sing My Song“ gibt es diese Zeilen: „Sing my song - it echoes hard to pinch a part of freedom - if you want it - get it tonight! ... if you don't want it - don't dare to sing my song!“. Ist das an die gerichtet, die sich selbst als Deine Fans bezeichnen?

Das zielt auf jeden, der versucht der Musik sein Ego auf zu zwingen, oder Musiker zu Sklaven seines begrenzten Musik-Horizonts zu machen etc.. Jeder der >der freien Rede der Musik< entgegen wirkt, sollte meine Songs nicht singen. Unser Verständnis von Kultur ist 'Geld'. Die Seele der meisten Musik heutzutage (unabhängig von der Musikrichtung) ist eine Geld-Seele. Die schlichte Essenz der Wahrheit in Musik, daß Kunst nur echt ist, wenn sie aus Freiheit geboren ist als wahrer Ausdruck des starken und guten Menschen, ist eine lahme Promotion-Lüge geworden. Dieser Song zielt auf jeden, der mich dafür hasst, daß ich bin wie ich bin und nicht jedemanns persönliche Hure. Aber der Song soll auch Musiker dazu ermutigen, wieder mit etwas Realem anzufangen. Das ist dringend notwendig!

  • Im Forum hast du eine Nachricht gepostet, die sich mit den Schatten der Vergangenheit befasst, in der Du sagst „Ich bin nicht von der Sorte Musiker, die 'Märkte bedienen'; ganz speziell keinen wie den unehrlich, kunstfeindlich und destruktiv gewordenen Metal-Markt“. Ich denke alle Musik-Märkte sind nicht mehr sehr frei. Labels wollen Geld verdienen, Geld und Geld ... und Künstler auch. Ist der Rock/Pop-Markt freier als der Heavy-Markt?

Nein! So einfach ist das nicht! Du kannst heute Ehrliches und Unehrliches in allen Musikrichtungen finden, aber nur im Metal wird so laut damit geprahlt, so ehrlich und wahr zu sein, aber dort herrscht (die meiste Zeit) genau die gleiche lahme Moral wie bei dem industriell gefertigten Boygroup-Mist: „Zielgruppen-Befriediger“. Viel zu viele Metalheads wissen doch noch nicht einmal, was ehrliche Musik überhaupt ist. Sie denken wenn du laut und asozial bist, daß dich das dann irgendwie „wahrhaftig“ oder „ehrlich“ macht, aber das ist nur ein dummer Irrtum unreifer Charaktere. Tatsächlich ist die Metal-Szene, in meinen Augen, eine der engstirnigsten und destruktivsten Musik-Szenen überhaupt auf der Welt! Und ich denke, ich weiss wovon ich spreche. Erlaubt man sich ein bisschen zu viel Freiheit und Kreativität, wird man von vielen regelrecht gehasst und ein „Verräter“ genannt. Wenn aber ehrlich zu sich selbst zu sein im Metal Verrat bedeutet, vielleicht ist ja dann Metal an sich ein Verräter??? ... Bands die >den Leuten geben, wonach sie verlangen< und ihre meistverkaufte Scheibe nur immer wieder reproduzieren, werden bejubelt, bekommen gute Kritiken und all das. Das ist nicht im Entferntesten das Verständnis, das ich von Kunst habe. Auch als Christ finde ich diese kranke Glorifizierung von Hölle, Tod und Teufel, Negativität und Brutalität, die im Metal so in ist, total zum kotzen. Aber ich will auch fair sein und anmerken, daß glücklicherweise nicht jeder Metal-Fan oder jede Metal-Band so ist. Auch da gibt es liebe und aufgeschlossene Menschen, und die hören sowieso nie nur eine einzige Musikrichtung. Und das sollte auch niemand tun! Es stumpft uns gegen Musik ab! Im Grunde gebe ich nichts auf Szenen oder Schubladen oder Stilrichtungen oder Kritiker; das ist alles bloß ein großer kunstfeindlicher Käfig.

  • Wer ist der perfekte Fan?

Der, der vom Musiker will und erwartet, daß dieser wahrhaftig ist und sich selbst ehrlich und frei zum Ausdruck bringt. Die gereifte Persönlichkeit, die gerne die Musik von starken und unabhängigen Individuen hört, um selbst damit und dadurch stärker zu werden. Das ist (ganz nebenbei) die eigentliche Bedeutung jeder Kunst-Kultur: Die Menschen besser und stärker zu machen! Und das geht nur, wenn Musik echt und spirituell lebendig ist. Unehrliche Musik ohne wahrhaftiges Herz macht uns genau so unehrlich und unwahrhaftig. Und in dem Grad, in dem die Musik, die wir anhören, eine Lüge ist, in dem Grad lernen wir durch sie zu Lügnern zu werden. Nichts bildet mehr als Kunst! Es ist nur, daß wir heute alle so verdammt oberflächlich sind! So viele glauben die Lüge, solange es sich damit bequem leben lässt und „der Konsumenten-Wunsch befriedigt wird“.

  • Ich besitze die Japan-Version von KISKE und darauf ist die Cover-Version von „Mary In The Morning“. Warum hast Du diesen Song gewählt?

Weil das einer meiner absoluten Lieblings-Songs von Elvis ist.

  • Was machst Du in Deiner Freizeit?

Ich studiere Philosophie und Anthroposophie und höre gute Musik. Ich gucke auch heroische Filme, wie: Braveheart, Königreich der Himmel, Alexander, Die Passion Christ, etc..

  • Michi, das war's. Nun hast Du noch Gelegenheit, zu sagen, was Du noch sagen möchtest. Ciao und danke nochmals für das Interview!

Wenn die Leute, die sagen sie mögen Musik, JETZT nicht wieder anfangen, Musiker durch den Kauf ihrer CDs zu unterstützen, werden bald nur noch Millionäre oder solche, die von Major-Labels unterstützt werden, überhaupt noch in der Lage sein, tatsächlich CDs zu produzieren. Der Rest wird verdammt zu einem „Hobby-Musiker“- und „Wochenend-Krieger“-Dasein. Wenn man als Musiker mit seiner Musik nicht das nötige Geld verdient, ist man gezwungen sich einen normalen Job zu suchen um die Miete bezahlen zu können. Bei einer 6-Tage-Arbeitswoche bleibt aber nicht viel Zeit und Energie für die Musik übrig, also wird sie darunter leiden und am Ende sterben. Wenn die Menschen denken, Musik sei ihr Geld nicht mehr wert, wird sie billiger und billiger und flacher und flacher ... und dann werden gute Produktionen nicht mehr möglich sein. Und das Gute stirbt immer zuerst! Ich kann Euch versprechen, genau wie ich niemals unehrliche CDs machen werde nur um Geld zu verdienen, genauso werde ich KEIN Wochenend-Krieger werden; ich mache Musik 100%ig oder gar nicht. Ich will nicht anfangen schnelle, billige und schwache Produktionen zu machen. Wenn ich es nicht schaffe genug CDs zu verkaufen und unterstützende Freunde meiner Arbeit zu finden, dann werde ich früher oder später Platz machen für Leute, die das bereits erreicht haben. Musik-Fans müssen sich jetzt entscheiden, ob sie wollen, daß ihre Musiker in der Lage bleiben Musik zu machen, oder nicht. Weil es wird nicht funktionieren, wenn jeder sich so bald wie möglich für umsonst bedient. Nur weil man das Auto des Nachbarn stehlen könnte, heisst das ja noch lange nicht, daß man das auch tun muss! Ich finde es wirklich interessant zu beobachten, ob es überhaupt möglich ist, das Bewußtsein für unser Musikkultur-Problem wieder in die Herzen der Menschen zu bringen, oder nicht? Aufregende Zeiten in denen wir leben, mienst Du nicht?

Alles Gute

Michael Kiske

 
Kunst Und Materialismus PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Webmaster   
17.04.2006

Image
  • Buch von Michael Kiske, in dem er schonungslos die Mißstände der heutigen Musiklandschaft offenlegt. Zudem geht es um die Rolle des Materialismus im Zusammenhang mit dem Verfall der Kunst bzw. dem heutigen Verständnis von Kunst. Angereichert wird das Buch durch Zitate und Gedichte alter Meister wie Wagner, Fichte, Steiner, Schiller und Goethe, die Kiske als Begründung und Fundierung seiner Thesen immer wieder gerne in Erinnerung ruft.
  • 120 Seiten
  • erschienen im Michael Kiske Selbstverlag
      • zu bestellen für 6€ plus Versandkosten bei:
        Sebastian Vollmer, Burgstr. 112, 72764 Reutlingen
  • für weitere Infos bitte Email an Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst

Vorwort 

Ich hätte diese Schrift auch nennen können: Liebeserklärung an eine freie Kunst, oder so ähnlich, denn das ist sie ganz bestimmt geworden. Bekanntlich verteidigt man das, was man liebt, mit aller Kraft und oft sogar Verbissenheit oder Verzweiflung, wenn man es in Gefahr meint, weshalb der Ton und die Eindringlichkeit in dieser Schrift dem einen oder anderen möglicherweise etwas extrem erscheinen mag. Ob man allerdings etwas als übertrieben intensiv formuliert oder interpretiert empfindet oder nicht, hängt ganz bestimmt von dem Grad der Stärke ab, mit der der Jeweilige imstande ist, das Betreffende wahrzunehmen und zu erleben, und ich mache kein Geheimnis daraus, daß ich alles in dieser Schrift Vorgebrachte mit eben derselben Intensität und Stärke erlebe, wie es hier halt rüberkommt, und ich sehe es geradezu als eine Pflicht gegen mich selber an, meinem Herzen laut Luft zu machen und alles ehrlich und direkt so auszusprechen, wie es sich mir ergeben hat. Auch weil ich immer noch hoffe, daß es nicht nur mir allein so gehen kann, ist Klartext das einzig Richtige und Angebrachte, um wirlich verstanden zu werden. Und genau darum geht es mir. Einerseits möchte ich die, die ein liebendes Herz mit Kunst verbindet, mit dieser Schrift erreichen, und auf der anderen Seite - für die, die es interessiert - m e i n e Auffassung von Kunst offen darlegen, um in Zukunft mit allem, was ich vielleicht noch künstlerisch verzapfen werde, richtiger verstanden zu werden. Denn so klar scheinen gewisse Grundbedingungen der Kunst heute wirklich nicht mehr jedem zu sein, wie so mancher vielleicht wähnt. Grundbedingungen, die, wenn sie nicht gegeben sind, in Wahrheit Kunst unmöglich machen. Ich schreibe hier meine Eindrücke und Erfahrungen im Musikgeschäft der letzten zehn Jahre nieder so, wie ich selbst es erlebt habe, und stelle jedem selbstverständlich völlig frei, es aufzufassen, wie es ihm beliebt; mich für einen rettungslosen Träumer oder Fanatiker und dergleichen zu halten, oder mir zuzustimmen und möglicherweise etwas daraus zu lernen. Alles in dieser Schrift Ausgesprochene ist durchaus durchweg p o s i t i v gemeint, auch wenn ich ab und an hier und da etwas motze. Wer hat denn auch gesagt, daß alles Reden von Idealen nur gesäuselt werden oder nach Süßholzraspeln klingen darf? Ich möchte im Großen und Ganzen niemanden persönlich mit diesen Ausführungen angreifen oder verurteilen, sondern ganz objektiv und im Allgemeinen so deutlich wie es geht beweisen, daß trotz der Notwendigkeit, ja Unentbehrlichkeit dessen, was Busineß und Kommerz heute sind, eine absolute und kompromißlose Trennung von Geschäft und Kreativität vorhanden sein muß, und der echte Künstler zu dieser Trennung verpflichtet ist, wenn er nicht musikalisch impotent werden und die Verlogenheit züchten will. Ich möchte hiermit vor allem direkt Künstler ansprechen und solche, die sich ein Urteil über Kunst erlauben möchten; aber vielleicht auch die große Welt der Geschäftsmänner (soweit dies überhaupt möglich ist!) darauf aufmerksam machen, daß, wer nicht die Grenze zwischen Kunst und Geschäft deutlich erkennt und einhält, die Kunst tötet, und auf lange Sicht das Pferd, auf dem er selber reitet, stranguliert. Auch schien es mir wichtig, so deutlich wie nur irgend möglich auf die zentrale Bedeutung der freien, bildenden Kunst als Kulturfaktor und wichtigstem Element zur höheren geistig-moralischen Entwicklung und Erziehung des Menschen hinzuweisen, mit dessen Leben oder Sterben unser aller Leben und Glück engstens zusammen hängt. Ich möchte die Leute vor allem darauf aufmerksam machen, daß die Versumpfung der Kunst durch den Materialismus eine alle Ehrlichkeit ausrottende Pest ist und daß es weiß Gott nicht egal ist, ob der Künstier sich billig verkauft, oder ob er genug Mensch ist, sich auf ein Besseres zu besinnen. Es ist mir dabei selbstverständlich völlig klar, daß mich nur wache Herzen verstehen werden und die Stumpfheit nichts verstehen kann. Aber ich werfe meine Schrift auch gerade deshalb unter die Leute, weil ich eben nicht meine, wie so viele arrogante Intellektuelle von heute, daß das gesamte Metal-, Hardrock-, Rock- und Poppublikum n u r aus Vollidioten und unkultivierten Primitivlingen besteht. Gerade weil ich genau aus diesem Gebiet der Musik komme, in dem ich - neben zu vielem Mist - auch so manchen echten Revolutionssinn und ehrlichen ldealismus gefunden habe und dort mein Herz für Musik zu schlagen begann, soll auch an diese Adresse gehen, was ich zu sagen habe. Ich bin mir durchaus bewußt, daß ich dem Leser sehr viel abverlange dadurch, daß ich gezielt sehr weit gehe, aber ich denke doch, daß es in Sachen Kunst nicht anders sein darf, als daß man gründlich vom Ideal spricht und dadurch dazu verurteilt ist, von nur wenigen verstanden zu werden. Dies nehme ich gerne in Kauf. Die wenigen Wachen sind mir immer lieber als die vielen Schlafmützen. Ich hatte auch immer schon eine gewisse Abneigung dagegen, mich auf das Unedle, Schlechtere und Dümmere einzustellen mit dem was ich tue, selbst wenn es anders finanziell vielleicht geschickter gewesen wäre. Ich will den Leuten lieber zuviel zumuten, als dem Gemeinen zu gefallen. Dies gibt dem Leben die entscheidende Würze und ist dem Wesen der besten Kunst am würdigsten.

Hamburg, Herbst 1996, Michael Kiske


Letzte Aktualisierung ( 17.04.2006 )
 
Aufsätze PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Webmaster   
17.04.2006

Michael Kiske's Aufsätze und Gedanken findest Du auf seiner persönlichen Internetseite www.geisteskind.de

 
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